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Nach welchen Gesichtspunkten wird eine Übersetzung verrechnet?
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In Zeiten, als Übersetzer nur einen lokalen Markt bedienten, war die Frage, wie die Leistungen
verrechnet werden sollen, ganz einfach: nach den gegebenen Gepflogenheiten, wie zB. im deutschsprachigem
Raum nach der tatsächlichen Leistung in Zeilen.
Die Berechnung nach tatsächlichen Zeilen mag in Zeiten der Schreibmaschinen gerechtfertig gewesen sein,
heute wird dies jedoch mehr und mehr in Frage gestellt.
- Zunächst wegen den immer komplizierteren Anforderungen der Kunden und die damit zusätzlich anwachsenden Arbeit, die durch Spezialsoftware erledigt werden muss:
Die Software unterstützt die Arbeit des Übersetzers, und es zeigt sich, dass die Anzahl der zu tippenden
Zeichen oder Wörter kleiner ist, als die der fertigen Übersetzung - durch automatische Vorbelegungen bei
erkannten, äquivalent in der Datenbank vorhandenen Textpassagen.
Bei bestimmten Formaten ist es viel einfacher, das geschriebene Wort - anstatt der Zeilen - zu zählen. Die Software des Übersetzers rechnet ebenso Wörtern, eine
Umrechnung von Wörtern in Zeilen wird von den Übersetzern näherungsweise durchgeführt.
- Die Globalisierung, die das Internet mitprägt: Für einen einzigen Auftrag können Übersetzer aus
verschiedenen Kontinenten beschäftigt sein. Obwohl der "Zeilenpreis" im deutschsprachigen Raum gängig ist,
wird im übrigen Europa oder auch in den englischsprachigen Ländern nach je 1, 10, 100 oder 1000 Wörtern
berechnet, in Asien wiederum wird nach Zeichen gerechnet. Diese Art von Berechnung, wenn sie an den Text
in der Zielsprache gekoppelt ist, macht den Vergleich von Angeboten umso undurchsichtiger.
- Es werden Kostenvoranschläge verlangt, bei denen der Dienstleister ein Fixum für seine Leistung
angeben muss. In diesem Fall kann man nicht die Berechnung nach Ausgangstext ablehnen, mit der Ausgabe
er sei eine Kreative Leistung und daher nach der tatsächlichen Leistung entlohnen.
Das Internet bringt zunehmend die Sprachdienstleister in Konkurrenz zueinander. Kostenvoranschläge
werden zunehmend aus den verschiedensten Ländern per Mausklick geschickt. Die Zeilenberechnung nach
Zieltext verschwindet zunehmend, besonders für Übersetzer, die daran gewöhnt sind, international zu
arbeiten. Wenn man daran denkt, dass jeder in seiner Muttersprache übersetzen sollte und dass die
deutsche Sprache viel kompakter als viele andere Sprachen ist, findet sich jeder zurecht: deutsch-muttersprachige
Übersetzer, weil der (nicht-deutsche) Ausgangstext länger ausfällt als die deutsche Version; die
Auftraggeber, weil sie Angebote besser vergleichen können - und der Rest der Welt, weil dieser
bereits daran gewöhnt ist, nach Ausgangstext-Umfang zu verrechnen. Es bleibt die Frage, ob nach
Zeilen oder Wörtern berechnet wird. Einerseits hört man, dass die Zeilen-Berechnung optimal wäre,
besonders wenn man in bestimmten Sprachen mehrere Wörter in ein Wort zusammenfügen kann. Andererseits,
wenn Übersetzer Texte als PDF (© Acrobat ) erhalten oder zB. eine Webseite lokalisieren sollen,
rechnen diese nach Wörtern - ebenso bei Verwendung eines Übersetzungstools. Man kann für sich
entscheiden - im Endeffekt wird der Kunde die nötige Klarheit verlangen und nicht mehr bezahlen
wollen, als im Kostenvoranschlag steht. Wie dies es errechnet wird, ist Sache des Übersetzers.
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