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Übersetzen, lokalisieren
oder adaptieren?

Bei der Übersetzung eines Textes kommt es immer darauf an, welches Publikum man ansprechen möchte.

Übersetzung - wortgetreu, aber für "Laien" manchmal etwas schwerer zu verstehen
Lokalisierung - angepasst für ein Zielpublikum
Adaptierung - Schaffung eines neuen Textes, der die gleiche Wirkung mit anderen Worten und Sätzen erzielt. Dieser Text hat u.U. nicht mehr viel mit dem Ausgangstext gemeinsam.

Die Übersetzung als solche ist für Wirtschafts-, medizinische und juristische Texte am ehesten geeignet. Bei solchen Texten besteht oft ein ungeschriebener Standard, welchen man einhalten muss. Es kommt nicht darauf an, "schön" zu schreiben, sondern genau zu schreiben sowie eine Syntax und einen Fachwortschatz anzuwenden, welche beide dem Leser vertraut sind. Bei Verträgen und Geschäftsbedingungen ist dies besonders wichtig, denn es kommt auf jedes einzelne Wort an.

In der Geschichte des Übersetzens wurden für Übersetzungen zuerst von Geschäftsleuten systematische Regeln entwickelt. Daher gibt es für diese Bereiche fast "typische" Übersetzungen, deren Wortlaut sich immer wiederholt. Geschäftsleute gehörten also zu den ersten, die Übersetzungen benötigten. In diesem Bereich werden oft immer wieder die gleichen Texte übersetzt und es ergeben sich Standardtexte für bestimmte Textdokumente, die man oft nur wenig bearbeiten muss.

Medizinische Texte umfassen eine große Anzahl von Fachbegriffen, für die es wenig Erläuterungen gibt und die man genauestens übersetzen muss. Aus diesen Gründen gehören juristische und medizinische Texte zu den anspruchvollsten, weil es wenig Raum für Interpretationen gibt und man sich an eine bestimmte Satzsyntax halten muss. Diese beiden Text-Fachgebiete können von Nicht-Spezialisten kaum bearbeitet werden und beanspruchen große Fachkenntnisse, damit man in zufrieden stellender Qualität übersetzen kann. Wirtschaftliche Texte beanspruchen spezielle Fachkenntnisse - je nachdem, wie fachlich der Text aufgebaut ist. Allgemeine "Bestellungsbetätigungen" sind nicht zu vergleichen mit Jahresabschlüssen oder Börseberichten. Hier gilt auch zu wissen, wie diese Texte normalerweise im Zielland aufgebaut und geschrieben werden. Aus diesem Grund ist berufliche Erfahrung in den gewünschten Gebieten hilfreich aber sehr gute Übersetzer mit guten Suchfähigkeiten und allgemeine sowie fachliche Kenntnisse können ebenso einen guten Dienst erweisen.

Die Lokalisierung als solche ist am besten geeignet für Texte, die sich mit Anwendern beschäftigen. Hier ist nicht so wichtig, dass ein bestimmter Fachbegriff verwendet wird, sondern jeder Fachbegriff muss für die Zielgruppe adaptiert werden, damit der Text genau so wie der Ausgangstext verstanden wird und die gleiche Reaktion und Verständnis erzielt wird. Zu dieser Gruppe gehören technische Texte, sowie bis zu einem bestimmten Grad literarische und Marketing-Texte. Technische Texte verkörpern oft Anweisungen, Anleitungen, Hilfetexte, Beschreibungen oder Textinhalte von Software oder Webseiten. Diese Texte müssen das gleiche Ziel erreichen als jenes des Ursprungstextes - mit Rücksicht auf die technologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Unterscheide beider Sprachgruppen.

Im Fall der Literatur wird die stilistische Fähigkeit genauso wie die Botschaft bzw. der Inhalt übermittelt. Ein guter Inhalt, der schlecht übersetzt worden ist, wird nicht die gleiche Botschaft und das gleiche Ergebnis erreichen als der Inhalt des Ausgangstextes. Ein Inhalt, der stilistisch "schön" geschrieben ist, aber sich inhaltlich vom Ursprungstext entfernt, wird nicht als Übersetzung gelten sondern als eine eigenständige Kreation. Die Schwierigkeit liegt darin, sich gut mit der Schreibweise des Autors vertraut zu machen, um den Text linguistisch genau so wie das Original zu schreiben aber nicht zu entfremden. Diese Höchstleistung - wenn sie überhaupt möglich ist - besteht darin, Gedichte mit Reimen und einem bestimmten Fluss (und Rhythmus) der Verse auf dem Papier (mit der gleichen Länge und Silbenanzahl) in eine andere Sprachen richtig zu übertragen. Wer dies schafft ist ein Meister!

Die Lokalisierung kann auch bei Marketing-Texten angewendet werden. In diesem Fall ist die Grenze zwischen Lokalisierung und Adaptierung sehr flüssig und hängt davon ab, wie getreu man den Ursprungstext übersetzen will.

Unter Adaptierung versteht man die Übertragung der Wirkung eines Textes von der Ausgangssprache in die Zielsprache. In solchen Fällen achtet man weniger auf den Wortlaut oder den Satzaufbau, sondern eher auf die zu übermittelnde Botschaft. Die Übertragung von Webseiten in eine andere Sprache wird man eher der Lokalisierung zuschreiben, weil die Syntax, Satzfolgen und Inhalte gleich bleiben, auch wenn sie für das Zielland ein wenig adaptiert sind. Dies gilt auch für Broschüren, Katalogbeschreibungen, Flyer und andere Marketing-Texte, die originalgetreu bleiben. Am Ende der Adaptierungsskala finden sich die Werbeslogans, bei denen man eine "schlagartige" Botschaft in nur wenigen Worten schreiben muss. Anderes Beispiel: die Suchmaschinen-Optimierung, wo im Gegensatz zum normalen Aufbau einer Seite (der Inhalt zuerst, die Stichwörter danach) die Stichwörter zuerst übersetzt werden, analysiert und ausgewogen werden, und danach die Inhalte erstellt werden, um diese bestimmten Wörter am besten zu umfassen - aber hier verschmilzt die Arbeit eines Übersetzers mit der Arbeit eines "Geistschreibers" und dies sollte dementsprechend honoriert werden.



© Übersetzungsbüro Yolande Haneder
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