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Die Sprache des Übersetzers
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In der Übersetzungsbranche wird die Frage nach der Muttersprache des Übersetzers immer bedeutender.
Diese Entwicklung stammt von englisch-sprachigen Ländern, jene sind am stärksten durch Verfassung
von Texten durch Nicht-Muttersprachler betroffen (wenn englisch überall gelernt wird, fühlt sich
jeder in der Sprache kompetent). Dies wird zunehmend sichtbar durch die zunehmende Ablehnung von
englischsprachigen Übersetzern, die Korrekturen an Texten von Nicht-muttersprachigen
Verfassern/Übersetzern durchführen, obwohl das Korrekturlesen ein wesentlicher Teil der Qualität
eines Textes ist.
Im deutschsprachigen Raum ist es jedoch noch sehr verbreitet, in der Fremdsprache zu
übersetzen, da es auf einem nationalen Markt nicht die nötige Anzahl von fremdsprachigen
Übersetzern gibt, um die Nachfrage zu decken. Wer jedoch auf globaler Ebene arbeitet, wird
zunehmend mit diesem Problem konfrontiert und sich auf Übersetzungen in seiner Muttersprache
spezialisieren.
Übersetzen in der Muttersprache hat viele Vorteile. Insbesondere ist es für den Übersetzer einfacher,
weil er die Sprache intuitiv beherrscht und auch wenn er manches fremdsprachige Wort durch Nutzung
des Kontexts interpretiert bzw. sich ein Bild darüber machen kann, findet er intuitiv das passende
Wort in der Muttersprache - aus diesem Grund ist die Sprache auch viel freier und lebhafter
(diese Intuition fehlt vielen nichtmuttersprachigen Übersetzern, die sich dann auf ein Wörterbuch
verlassen müssen und der Satzstruktur des Originaltextes folgen.)
Wie wird eine Muttersprache definiert?
Eine Muttersprache ist nicht unbedingt ident mit der Landessprache des Ortes wo man lebt,
die örtliche Landesprache beeinflusst jedoch z.B. ein Kind sehr stark, besonders in jungen
Jahren. Es wurde erforscht, dass ein Kind vor dem zehnten Lebensjahr eine Sprache gelernt
haben muss, um eine Chance zu haben, diese irgendwann fehlerfrei zu beherrschen (wegen der
abgeschlossenen Strukturierung des Gehirns vor der Pubertät). Es gibt Ausnahmen, jedoch
wenn das Gehirn sich für eine Sprache entwickelt hat, kann man sich nicht von heute auf
morgen eine andere Sprache aussuchen.
Was ist eine Muttersprache, wenn ein Kind zweisprachig aufwächst? Gibt es wirklich zweisprachige
Menschen? Leute, die wirklich zwei Sprachen auf einem muttersprachigen Niveau beherrschen
sind eine Seltenheit. Übersetzer mit hervorragender Beherrschung zweier Sprachen gibt es viele.
Wenn ein Kind von Anfang an in einer zweisprachigen Umgebung aufwächst, lernt es beide Sprachen
zugleich. Ab dem Zeitpunkt, dass es jedoch zu sprechen beginnt, entscheidet es sich für die Sprache, in der es
sich wohler fühlt oder es entwickelt eine Sprache für eine bestimmte Situation. Eine Muttersprache ist dann
jene Sprache, mit der das Kind sich ausdrückt, unhabhängig von der Situation. Wenn ein Kind zu Hause eine
Sprache spricht und in der Schule eine andere, wird es zunächst beide parallel beherrschen.
Welche Sprache ist dann die Muttersprache?
Meiner Ansicht nach hängt dies von der weiteren Entwicklung des Kindes und der Umgebung ab. Wenn
die Eltern auch die Sprache des Umfeldes kennen und sprechen, wird das Kind diese Sprache
bevorzugen und die andere vernachlässigen. Es ist auch möglich, dass die Beziehung zu einer
Sprache an einem Elternteil hängt. Wenn dieser Elternteil ausfällt, wird das Kind den Reiz
verlieren, diese Sprache zu sprechen und diese Sprache wird dann von der Sprache des Umfeldes
unterdrückt. Wenn zum Beispiel die Landesprache nur in der Schule oder im Beruf angewandt wird
und alle weiteren soziale Kontakte und Zukunftsaussichten in der familiären Sprache abläuft
(z.B. im Fall von Familien, wo die Eltern sehr viel verreisen oder nicht integrierte Volksgruppen,
die vorhaben, später wieder im Heimatland zu leben), wird die Sprache des Umfeldes nur
aktiv bleiben, solange sie gebraucht wird. Es ist jedoch nicht die Sprache der Gefühle des
Kindes und wird schneller verlernt, wenn sie nicht gebraucht wird.
Eine Muttersprache ist daher eine Frage der Zugehörigkeit zu der Sprache und nicht unbedingt
die Muttersprache der Mutter. Im Falle von Zweisprachigkeit von Kindesalter an wird dann das
heranwachsende Kind beide Sprachen sehr gut beherrschen. Welche besser beherrscht wird hängt
von seinen sozialen Kontakten, seinen persönlichen Beziehungen zu einer bestimmten Sprache und
nicht zuletzt vom Land ab, in welchem es lebt.
Eine Sprache ist nicht statisch, sie entwickelt sich, d.h. sie muss ständig am laufenden
gehalten werden. Für einen Übersetzer, dessen Muttersprache die Landessprache ist, ist es
viel einfacher, mit den Neuerungen Schritt zu halten. Andere Übersetzer müssen sich am
Laufenden halten und die Sprache sehr bewusst pflegen. Aus diesem Grund ist es schwer, bei
einer gelernten Sprache alle Neuheiten mitzuverfolgen, wenn man nur einige Monate im Laufe
der Ausbildung im Land dieser Sprache gelebt hat und seither nur wenige Kontakte dorthin hat.
Aus diesem Grund ist ein Aufenthalt im Land der Fremdsprache nicht vermeidbar, wenn man die
Sprache richtig lernen will, die Muttersprachler werden jedoch immer ein Vorsprung haben,
weil sie von der Basis dieser Entwicklung geprägt sind und sie lediglich ganz neue Wörter,
Begriffe und Bedeutungen in ihr Repertoire aufnehmen. Es gibt die Meinung, dass einer der
Nachteile, einen Muttersprachler zu beauftragen ist, dass dieser die Ausgangssprache nicht
perfekt versteht. Auch wenn ein Muttersprachler durch Erfahrung und Arbeit mit ähnlichen
Texten dieses fehlende Wissen ausmerzen kann, wird ein Muttersprachler nicht alle verstecken
Bedeutungen einer Fremdsprache richtig deuten können, wenn er nicht von Kindesalter an damit
geprägt wurde.
Es ist ratsam, nach Möglichkeit einen Muttersprachler zu beauftragen. Man sollte jedoch nicht
zuweit gehen und die zu verallgemeinern wie z.B. einen Muttersprachler für eine Übersetzung von
Deutsch auf Latein zu verlangen. Dies hängt also auch vom Zweck oder der Zielgruppe ab.
Eine Übersetzung, die von einem Nicht- Muttersprachler geschrieben wurde, könnte vom wahren
Inhalt ablenken, wenn zuviele Fehler im Text vorhanden sind.
Wenn die Zielgruppe aus Nicht-Muttersprachler besteht, werden Fehler weniger
auffällig sein und im Fall von seltenen Sprachen wird diese Zielgruppe sich geehrt
fühlen, dass man in seiner Sprache schreibt und daher weniger auf die Kleinigkeiten achten.
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