|
|
 |
 |
Die EN 15038
Eine neue Norm schafft Klarheit für Alle
|
|
|
Lange wurde zwischen EU, Verbänden und den verschiedenen Übersetzungsdienstleistern
in Europa über die Frage der Qualitätssicherung für Übersetzungen verhandelt.
Die neue verhandelte Norm scheint unauffällig aber man wird daran nicht vorbeikommen.
Für den Kunden ändert sich einiges: Er muss sich damit befassen, Rücksicht auf einige
für die Qualität einer Übersetzung nötigen Voraussetzungen zu nehmen. Vorbei die
Zeit, wo ein Anruf genügte, um einen Auftrag für die nächsten zwei Stunden zu vergeben,
oder wo der Kunde unter Angabe lediglich einer URL erwartet, dass durch
Ansicht seiner gesamten Webseite eine Preiskalkulation erstellt wird. Alles wird
kalkuliert, bemessen, schriftlich nachgereicht.
Nach der neuen Norm sind Übersetzungsbüros darüber hinaus verpflichtet,
Texte zusätzlich korrigieren zu lassen, deshalb werden sie "eilige" Aufträge
nur bei angemessen möglichen Qualitätsniveau anbieten. Falls der Kunde eine
Abweichung von der Norm wünscht, muss dies schriftlich belegt werden, danach
wird er/sie keinen Anspruch mehr auf eine Qualitätsübersetzung nach der EU
Norm haben.
Für Übersetzungsbüros, die noch nicht mit der Administration von Projektverläufen und
Machbarkeitsanalysen vertraut sind, ändert sich einiges. Sie werden verpflichtet,
nach jeder Anfrage eine Analyse der Forderungen nach bestimmten Kriterien zu machen
sowie deren Einsatzmöglichkeiten abzuwägen. Falls einige Punkte (wie zB. der Liefertermin)
nicht durchführbar sind, muss der Kunde davon in Kenntnis gesetzt werden und es
muss neu verhandelt werden. Sie sind verpflichtet, alle Übersetzungen durch einen
weiteren Übersetzer korrigieren zu lassen und Projektdokumentation durchzuführen.
Das heißt, dass bereits das Angebot eine Nummer haben muss, der Auftrag mit dem
Angebot verknüpft wird und schriftlich festgelegt wird, wer welchen Schritt wann
durchführt, und zwar bis zu welchem Termin und mit welchem fixen Umfang. Diese
Anforderungen muss auch ein eventueller Subunternehmer garantieren. Das heißt,
dass Übersetzungsbüros nicht lediglich Fachkräfte nehmen dürfen, die bestimmten
Sprach- oder Erfahrungskriterien entsprechen, sondern nur solche, die akzeptieren,
nach der Norm zu arbeiten und auch selbst alle Dokumentationsvorgänge durchgängig
betreiben. Falls der Kunde oder der Subunternehmer Fragen oder Kommentare haben,
ist das Übersetzungsbüro verpflichtet, diese weiterzuleiten.
Schließlich, ändert sich auch einiges für den einzelnen Übersetzer.
Dieser kann sich nur der Norm bekennen und für Büros arbeiten, die
der Norm folgen, wenn er bestimmte Voraussetzungen erfüllt (wie z.B.
Sprach- oder Übersetzerausbildung, sowie ausreichende Erfahrung).
Wenn sie für Direktkunden arbeiten, müssen sie Ihre eigenen Leistungen
auch durch einen anderen Kollegen überprüfen lassen und die gleiche
Projektdokumentation als die Übersetzungsbüros machen.
Diese Norm ist ein guter Schritt in Richtung Klarheit für den Kunden. Die Regelungen
zwingen die Übersetzungsbüros, bestimmte Qualitätskriterien zu erfüllen
und die Konkurrenz wird nicht mehr erfolgen durch Ausklammerung eines bestimmten
Qualitätskriteriums, durch welches die Preise oberflächlich günstiger erscheinen.
Der Erfolg dieser Norm wird davon hängen, wie viele Büros sich dazu bekennen.
Falls viele Büros, die sich zu Qualität bekennen, sich auch zu dieser Norm bekennen,
wird es einen zweigeteilten Markt zwischen den Übersetzungsbüro, die sich zu einem
bestimmten Standard bekennen und daher entsprechend teuer sind und Büros, die
günstiger sind aber wo der Kunde erkennen kann, dass er nicht die gleiche Qualität
erwarten kann und die dementsprechenden Unterschied bei den Preisvergleichen
eruieren kann. Für Übersetzer, die ohne Übersetzerausbildung auf den Markt kommen,
wird es zunehmend schwieriger sein (wenn es nicht bereits für viele zu schwierig ist),
Fuß auf dem Markt von Qualitätsübersetzungen zu fassen. Sie werden zunächst
bei den "nicht normkonformen" Büros Erfahrungen sammeln und sich beweisen müssen,
bevor sie einen Anspruch darauf erheben zu können, hochwertige Arbeit zu leisten.
|
|
|
|
|
|